Autoren Interview Barbara Drucker

Letzte Woche durfte ich Barbara Drucker Autorin von „Das Gift der Schlange“ ein paar Fragen stellen.
Wie ihr sicherlich selbst feststellen könnt, ist sie eine sehr beeindruckende Person und somit war ich sehr nervös. Grundlos, wie sich herausstellte.
Vielen lieben Dank für die wunderbaren Antworten.

Wie kam es dazu, dass du schreibst?

Geschichten habe ich mir schon sehr früh ausgedacht, beim Theaterspielen auf den Jungscharlagern riss ich mich immer um zwei Rollen: den Bühnenautor und den Schurken. Ich habe zwar als Teenager vereinzelt Geschichten geschrieben (Winnetou-Geschichten und eine Mafia-Geschichte), aber der Wunsch, Schriftstellerin zu werden, kristallisierte sich erst sehr spät heraus. Eigentlich strebte ich eine akademische Laufbahn an, publizierte wissenschaftlich zu Friedrich Schiller und Karl May und schrieb für ein Karl-May-Fachmagazin Essays. Durch die wurde ein Fanfiction-Verlag auf mich aufmerksam und bat mich, zu einer Anthologie eine Winnetou-Erzählung beizusteuern. Ich brauchte eine Viertelstunde, um zuzusagen. In der ersten Minute wusste ich, dass ich es tun wollte, in den restlichen vierzehn überzeugte ich mich davon, dass ich damit meinem wissenschaftlichen Ruf nicht schade. 😉 Dann ging es Schlag auf Schlag.

 

Schreibst du unter einem Pseudonym?

Die historischen Thriller erscheinen unter meinem Klarnamen, aber mein nächstes Projekt publiziere ich als B.D. Winter, um meine Leser nicht zu verwirren. Es wird eine Romantic Suspense, die im heutigen Wien spielt und in der das Liebespaar männlich ist. Auch wenn ich den Roman so schreibe, dass er nicht nur die Leser von Gay-Novels anspricht, weiß ich doch, dass das Thema polarisieren kann. Das Pseudonym ist einfach ein Service für meine Leser, um die Romane besser einordnen zu können.

 

Wo lebst du?

In Wien und ich liebe meine Stadt. Das Einzige, das mir hier fehlt, ist das Meer.

 

Was bedeutet dir Karl May?

Als Teenager hatte ich eine Phase, in der ich ausschließlich Karl May gelesen habe, mittlerweile lese ich ihn sehr selten. Er eröffnete mir die Abenteuerwelt und die Vorliebe für männliche Charaktere. Etliche seiner Motive spiele ich in meinen eigenen Romanen durch: bedingungslose Freundschaft, Opferbereitschaft, Ehre und Loyalität, Zweikämpfe und auf eine gewisse Weise auch einen Hauch Exotik. Und meine Lieblingscharaktere haben immer auch ein bisschen von Winnetou.

 

Alexander Kopainski gestaltete dir das Layout für die „Marchese“-Reihe, Marko Brock das für dein nächstes Projekt. Wie kam es dazu?

Als ich die Printfassung von „Das Gift der Schlange“ herausbringen wollte, sah ich mich unter verschiedenen Coverdesignern um. Alex war damals noch nicht so bekannt, aber seine Ästhetik und seine Professionalität sagten mir ungemein zu, also schrieb ich ihn an. Witzigerweise half mir damals schon Marko bei der Entscheidung, indem er meine Favoriten mit dem Auge eines Fachmannes unter die Lupe nahm. Ich kenne Marko aus meiner Karl-May-Zeit, er machte das Magazin-Layout für meine Beiträge in „Karl May & Co.“
Alex spezialisiert sich allerdings zunehmend auf Fantasy und Romantasy, für „Shark Temptations“ brauche ich aber eine dynamischere und gleichzeitig subtile Ästhetik. Es wird innerhalb des Genres etwas sehr Eigenständiges mit einer ganz speziellen Bildsprache. Alex und ich waren uns einig, dass er für dieses Genre nicht der richtige Designer ist. Also kontaktierte ich Marko und bin überglücklich mit dieser Entwicklung. Wir sind ein kongeniales Team und haben dieselben ästhetischen Vorlieben.

 

Du magst Schiller, wärst du ihm gern begegnet?

Oh ja! Er muss ein faszinierender Mann gewesen sein, nicht nur ein genialer Dichter, Historiker und Philosoph, sondern auch als Mensch. Ein Zeitgenosse bescheinigte ihm einmal ein außerordentliches Talent zur Freundschaft, ein anderer meinte, man könne sich seiner Persönlichkeit nur sehr schwer entziehen. Zwischen uns muss so etwas wie eine Seelenverwandtschaft bestehen, ich denke in vielen Punkten so wie er und finde in seinen Texten zu jeder Zeit etwas, das mir Kraft gibt. Ich würde mich wahnsinnig gerne mit ihm übers Schreiben und seine Werke unterhalten.

 

In welcher Epoche wärst du gern geboren?

In der heutigen. Wir verklären gerne die Vergangenheit, vergessen dabei aber oft, wie schwierig das Leben damals war. Und da rede ich noch gar nicht einmal von Kriegen, Hungersnöten und Seuchen, sondern von simplen Dingen wie Wäschewaschen, Feuerschlagen oder Körperpflege ohne eine Dusche. Wenn ich zur privilegierten Schicht gehört hätte, vorzugsweise als Mann, weil man als Frau kaum die Geschehnisse gestalten konnte, fiele meine Wahl auf das späte 18. Jahrhundert (den Zeitraum, in dem auch „Der Marchese“ spielt), gefolgt von der Renaissance in Italien und der römischen Antike.
Wie viele Bücher hast du bereits geschrieben?

Geschrieben oder veröffentlicht? Veröffentlicht sind an belletristischen Texten drei Winnetou-Erzählungen und die beiden ersten „Marchese“-Romane. Von „Shark Temptations“ habe ich gerade die Rohfassung fertiggestellt, der Erscheinungstermin ist für den Herbst geplant. Und ein kompletter Wirtschaftsthriller liegt in meiner Schublade, doch den kann ich unmöglich in der vorliegenden Form unters Volk bringen 😉

 

Gab es ein Schreibtief?

Ein Tief ja, aber keine echte Blockade. Als ich „Das Gift der Schlange“ schrieb, war ich fast permanent im Flow, die Geschichte musste einfach raus. Durch ein gemeinsames Projekt mit einer Freundin driftete ich später in eine ganz andere Romanwelt ab und es war extrem schwer, wieder an den Marchese Anschluss zu finden. Aber mittlerweile sind die Flow-Phasen wieder viel häufiger 🙂

Die Recherchen zu deinem aktuellen Buch, dauerten sie sehr lang?

Das lässt sich schwer sagen, weil ich immer zwischendurch recherchiere. Ich habe durch meinen Forschungsschwerpunkt als Literaturwissenschaftlerin und durch meine intensive Beschäftigung mit Schiller und seiner Zeit allerdings einen sehr guten Grundstock. Ich weiß, wie das Leben damals aussah, ich kenne die Philosophie, die Kunst, die Religion, die Wirtschaft und die Politik. Aufwändig sind die kostümgeschichtlichen Details und Spezialgebiete. In „Der Schwur der Schlange“ kommen beispielsweise Kardinal Rohan und die Halsbandaffäre vor, Cerf Berr und andere historische Ereignisse wie der Siebenjährige Krieg oder der Amerikanische Verfassungskongress, die im Roman nicht einmal eine Seite einnehmen, mich aber mehrere Wochen Recherche kosteten. Es sind so unscheinbare Dinge wie das Einlaufen eines großen Segelschiffes, die Fahrt in einer Kutsche oder die damaligen Kartenspiele, die einen Roman authentisch machen. Ich muss bei jedem Musikstück, das der Marchese hört, nachsehen, ob es überhaupt schon komponiert war, bei jedem Buch, das er liest, muss ich das Datum der Ersterscheinung überprüfen. Waffen erfordern natürlich viel Recherche, ich lernte auch selbst historisches Fechten, um ein Gefühl dafür zu bekommen. Um ein Haar hätte ich Streichhölzer in den Text geschrieben, dachte aber zum Glück rechtzeitig daran, zu recherchieren. Gut so, denn sie wurden erst im 19. Jahrhundert erfunden, und der Diener des Marchese muss noch mit Stein und Stahl Feuer schlagen. Der zweite Band endet im Juli 1788. Mir graut schon jetzt vor der Recherche, wenn in einem Jahr die Französische Revolution ausbricht.
Wie lange hast du an deinem aktuellen Buch geschrieben?

Von der ersten Idee, dem Plotten und den ersten Recherchen weg bis zum Erscheinungszeitpunkt zwei Jahre. Im Wesentlichen steht der Roman nach der ersten Bearbeitung, der Rest ist viel stilistischer Feinschliff, Formatierung und Rechtschreibprüfung.

 

Welche Figur magst du am liebsten?

Den Marchese! In diesen Mann würde ich mich selbst verlieben und ich weiß nicht, ob ihm jemals eine andere Figur den Rang ablaufen kann. Ich habe einige Figuren, die mir am Herzen liegen, aber der Marchese ist etwas ganz Besonderes.

 

Wie kamst du zu der Idee zu „Das Gift der Schlange“?

Es begann mit dem Marchese. Er ist teilweise meinen beiden literarischen Lieblingsfiguren nachempfunden, nämlich Marquis Posa aus Schillers „Don Karlos“ und Winnetou. Von Posa hat er den Titel und den Charakter, nämlich seine hehren Ideale und seine Ambivalenz. Er sollte ausgezeichnet reiten und fechten können und ein Abenteurertyp sein, das ist neben seinen langen, schwarz glänzenden Haaren und seinem fantastischen Aussehen die Winnetou-Komponente. Dann war mir klar, dass ich den Roman in der Schillerzeit ansiedle. Damals boomten Geheimbünde und Geheimbundliteratur, so kam ich auf die Idee zum Schlangenorden. Ich hatte also den Grundstock Kavalier und Spion, Geheimbund und in groben Zügen die Liebesgeschichte.

 

Historische Romane, liest du sie privat?

Ja, aber ich bin da sehr wählerisch. Sie müssen einen männlichen Protagonisten haben, in einer Zeit spielen, die mich interessiert, und ein interessantes Thema behandeln. Was ich nicht ausstehen kann, sind Liebesromane nach dem Strickmuster weiblicher Underdog verliebt sich in gutaussehenden Ritter und heiratet ihn. Meistens erkennt man dieses Subgenre aber bereits am Cover. Ich erwarte historische Plausibilität, exzellente Erzähltechnik, hervorragend ausgearbeitete, psychologisch stimmige Figuren und eine mitreißende Handlung.

 

Welches Genre magst du gar nicht?

Science Fiction, Horror und Dystopien lese ich grundsätzlich nicht. Dann gibt es noch jene Genres, die ich nicht sonderlich mag, bei denen ich einzelnen Büchern jedoch eine Chance gebe: Fantasy, Romance, Erotik und Krimis. Manchmal findet man Perlen dort, wo man sie gar nicht vermutet 🙂

 

Wie ihr selbst feststellen könnt eine sehr sympathische Frau.

Ich stimme ihr übrigens zu. Unsere Epoche, gefällt mir auch am besten.

Ich trinke dann jetzt in ruhe meinen Milchkaffee 😉

 


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